Die Wagen der zweiten Anschaffungszeit zählen zu dem Kapitel der Hamburgischen Staatsbahnen, mit denen Hamburg die Exklaven auf preußischem Gebiet (Kreis Stormarn) erschließen wollte. Dabei handelte es sich um die Walddörfer (Farmsen - Berne , Volksdorf, Groß-Hansdorf und Wohldorf-Ohlstedt) und die Langenhorner Gebiete in Richtung Ochsenzoll. (siehe "Die Walddörferbahn" und "Die Langenhornerbahn". Für einen stündlichen Betrieb hatte man einen Bedarf von 20 Wagen errechnet, die den HHA-Fahrzeugen weitgehend zu entsprechen hatten. Sie wurden 1920/21 geliefert. Wegen des erwarteten schwachen Verkehrs bekamen die Wagen 219 und 220 zwei Führerstände. Die "Staatsbahn" - Wagen für die Walddörferbahn unterschieden sich in einigen Einzelheiten von den älteren Hochbahnwaqen. Zur Verbesserung der Belüftung hatte man statt der alten Sauglüfter Dachstaulüfter eingebaut, die an beiden Stirnseiten als Kästen von etwa 1:3 der Wagenbreite eingelassen waren. Wegen der kleineren Frontfenster verwendete man nun die bis zum Schluß gebräuchlichen, in die Wagenwand eingelassenen, Signallampen. Die Inneneinrichtung entsprach der vorherigen 3.Klasse in etwas moderner Version. Die früheren Lampen wurden durch Klarglaskuppeln mit einfacher Birnenfassung ersetzt, auch hatte man vermutlich schon auf die Gardinen verzichtet. Ab 1914 hatte der hamburgische Staat auch mit dem Bau der Langenhorner Bahn von Ohlsdorf nach Ochsenzoll (7,7 km) begonnen, die ab Juli 1921 in Betrieb kam - zunächst mit Leihwagen der HHA.

Trotz gemeinsamer Leitung durch die HHA mußten die Fahrgäste an den Übergangsbahnhöfen zu den Staatsbahnen umsteigen. Aus diesem Grunde hatte Barmbeck bis 1928 noch sechs, Ohlsdorf bis 1936 noch 4 Bahnsteiggleise. Als nun auch noch die Walddörferbahn ab 01.02. 1925 um die 5,3 km lange Zweigstrecke Volksdorf - Ohlstedt erweitert wurde (entlang der 1934 abgebrochenen Elektrischen Kleinbahn Altrahlstedt - Volksdorf - Ohlstedt)-, stieg der Wagenbedarf und es kamen weitere 18 Fahrzeuge - bis 238 - im Jahre 1924 zur Ablieferung. Diese insgesamt 38 Wagen wurden als 6. 7. und 8.Lieferung eingereiht. Sie dienten als Vorbild des Ringbahn Wagenparks. Dementsprechend bekamen alle älteren Hochbahnwagen die Dach-Lüftungskästen und wurden auch in anderen Details stärker an die zuletzt gelieferten Wagen angepaßt. Bei den Wagen 89 und 90 erprobte man außerdem Aluminiumtüren anstelle der hölzernen. Die elektrische Ausrüstung blieb weiterhin unverändert, nur bei Wagen 220 und 221 machte man Versuche mit neuen Motoren. Zur Verwendung kamen je 4 AEG-Halbspannungsmotoren der Type UK 381 mit 47 KW. Hierfür richtete man Drehgestelle von Arbeitswagen her. Die Versuchsmotoren wurden später wieder entfernt. Die Wagen 219, 220, 231 bis 238 bekamen zwei Führerstände zum Einsatz als Einzeltriebwagen. Nach 1926 wurden auch noch die Wagen 226 bis 230 nachträglich derart ausgerüstet.

 

 

Die dritte Anschaffungszeit dauerte von 1925 bis 1929. Nach der Währungsstabilisierung 1923 konnte die HHA im folgenden Jahr einen Anstieg der Beförderungszahlen um etwa 75 % verzeichnen, die bis 1928 auf etwa 102 Millionen Fahrgäste anwuchs. Hierzu trug zweifelsohne auch die starke Siedlungstätigkeit in den Walddörfern und im Langenhorner Gebiet bei. Das veranlaßte die HHA, den Wagenpark weiter aufzustocken. So wurden 1924 in 10 Waren bei den Firmen Gebr. Credé, Kassel und Busch, Bautzen in Auftrag gegeben. Im Wagenbaulichen Teil ließen sich einige Überarbeitungen bemerken. Um eine Nische am Einstieg zu gewinnen, wurden die Türen z.B. in Richtung auf die Stirnwände verschoben. Durch die dadurch erforderlich gewordene Verkleinerung der Längssitzbänke an der Rückwand um je 1 Platz verringerte sich die Sitzplatzzahl von 34 auf 32. Die Sitze bestanden noch aus Eichenholzplanken, waren aber wie die übrige Holzverkleidung etwas heller gehalten als bisher. Die bislang üblichen zwei 700 mm breiten Fenster an den Türtaschen wichen einem Fenster von 1100 mm Breite. Das Leergewicht dieser 20 als 9.Lieferung mit den Nummern 279 bis 258 eingereihten Wagen erhöhte sich von 24,100 Kg auf 29,500 Kg.

Obwohl sich die Wagen im Betrieb bewährten, bemühte man sich bei weiteren Entwicklungen die Grundfläche soweit zu vergrößern, wie es das gegebene Profil zuließ. Im wesentlichen gab man den Stirnwänden eine Trapezform, so daß der Wagen um 200 mm länger wurde. Der - wenn auch geringe -Platzgewinn schien vor allem deshalb interessant zu sein, weil die Züge der Walddörfer und Langenhorner Bahn bis in die dreißiger Jahre hinein auch die Postbeförderung zu übernehmen hatten. Hieran erinnerte noch nach dem Kriege das Schild "Platz für den Zugbegleiter oder Postschaffner. Von dieser Bauart wurden vorerst 20 Wagen für die Walddörferbahn und die HHA-Ringlinie bestellt. Sie trafen 1925 als 10.Lieterung in Hamburg ein und erhielten die Betriebsnummern 259 bis 276. Die Inneneinrichtung war unverändert. Die Zugrichtungsschilder an der Stirnwand befanden sich nunmehr in einem Kasten unterhalb der Stirnwandfenster in Wagenmitte, so daß alle notwendigen Schilder mitgeführt werden konnten. Diese Einrichtung erschien in der Folge auch bei allen älteren Hochbahnwagen. Da diese Bauart sehr gelungen schien, wurde 1926 sowohl von der HHA wie auch vom hamburgischen Staat nachbeschafft. Es kamen insgesamt 21 weitere Fahrzeuge, die die Nummern 279 bis 299 erhielten. Mit dieser 11.Lieferung kam für den Betrieb der HHA die wahrscheinlich wichtigste Neuerung auf; die automatische Mittelpuffer-Kupplung der Bauart Scharffenberg, die zugleich die steuerstrom- und Lüftleitungen anschloß. Damit konnten sämtliche Kabel und Schläuche an der Wagenwand fortfallen. Das Lösen der Kupplung wurde von der Seite aus durch einen Seilzug bewerkstelligt. Gleichzeitig mit der Scharffenberg-Kupplung bekamen die Wagen an die Pufferbohle noch Verstärkungsrippen als Kletterschutz. Entsprechend wurden auch alle älteren Wagen ausgerüstet. Diese Umbauaktion dürfte etwa bis 1928 abgeschlossen gewesen sein. Die elektrische Ausrüstung blieb wiederum im wesentlichen unverändert, um die betriebliche Freizügigkeit nicht zu beeinträchtigen.

Weitere 54 Hochbahnwagen trafen 1927 in Hamburg ein. Sie waren jeweils zur Hälfte Staatsbahnwagen und für die HHA-Ringlinie. Sie wurden als 12.Lieferung mit den Nummern 300 bis 353 in den Bestand eingereiht. Geändert wurde die Sitzanordnung an der Wagenrückwand, wo eine fünfsitzige Querbank die bisherigen Längsbänke ersetzten. Verbessert wurden die Drehgestelle, die nunmehr als Blechrahmenbauart ausgeführt waren. Die Tragefedern waren über den Achslagern angeordnet. Ein Teil der Radsätze hatte Vollscheibenräder statt der bisherigen Speichenräder bekommen. Hersteller waren die Firmen Credé, WUMAG, Busch, v.d.Zypen&Charlier und Krupp. Noch im gleichen Jahr ließ die HHA die vorhandenen Drehgestelle der 9. bis 11.Lieferung entsprechend umbauen. Zu dieser Zeit war die Lackierung der Wagen einheitlich oben dunkelgrün, unten kräftig gelb, das Dach lachsfarben und der Rahmen schwarz. Zierlinien lockerten die Farbflächen auf. Die 50 Wagen, die als 13.Lieferung in den Jahren 1928/29 beschafft wurden, bekamen die Nummern 354 bis 403. Sie waren die letzte der "konventionellen" Bauart und unterschieden sich nur in wenigen Details von der 12.Ausführung. In dem ständigen Bemühen um eine bessere Belüftung in den Wagen war das Tonnendach an beiden Wagenenden für etwa 1100 mm als Flachdach fortgesetzt. In dem Dachabsatz befand sich ein breiter Lüftungsschlitz. Innen fiel der Fahrerstand auf, der einen geringeren Teil der Stirnwand einnahm, sich dafür aber weiter in den Fahrgastraum erstreckte. An den Rückstirnwänden waren die Fenster auf das Maß der Führerstandsfenster verkleinert worden. An den Seitenwänden vor der 1 Längsbank fand man je einen Klappsitz. Mit Lieferung des Wagens 403 umfaßte 1930 der Wagenpark 383 Triebwagen. Dieser Bestand sollte nun 10 Jahre unverändert bleiben.

Quelle: Hochbahn / E.Ihde / P.H.Lehne

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